Thema des Monats: ANGST (Teil 1)

 

Dieses Gefühl kennt jeder- ob es die Angst des kleinen Kindes ist, das unter dem Bett ein Monster befürchtet oder sich vor dem Gewitter fürchtet. Später Angst, eine Klassenarbeit, Klausur oder eine wichtige Prüfung nicht zu bestehen. Dann die Angst, dass man selbst oder eine uns nahe Person schlimm erkrankt und womöglich stirbt.

Diese und viele andere Ereignisse, die Angst auslösen können, gehören mehr oder weniger zum Leben dazu. Wir alle lernen von unseren frühen Jahren an, mit den Situationen umzugehen, sie rationell zu bewerten und zum Alltag überzugehen.
Was aber, wenn man gar nicht merkt, dass man Angst hat? Was, wenn sich das Gefühl im Unterbewusstsein unbemerkt ansiedelt und nach und nach unser Leben kontrolliert?

Ein Beispiel.
Eine Frau wurde von einer Bekannten gefragt, ob sie sich in der Stadt zum Shoppen und Kaffee treffen sollten. Eigentlich würde sie es gern tun, wenn da die Stimme in ihrem Kopf nicht wäre… Wozu solltest Du es tun? So wirklich hast Du doch keine Lust. Du bist so gern zu Hause. Du müsstest wieder ins Auto steigen. Es könnte ja regnen, dann macht es gar keinen Spaß in der Stadt zu sein. Und letztens, als Du da warst, wurde Dir so schlecht, dass Du schon nach kurzer Zeit zurückmusstest. Wenn Du nur daran denkst, wird es Dir jetzt schon wieder schlecht. Ach, lass es lieber gleich. Bleibe zu Hause, da hast Du Deine Ruhe.
Sie sagt also ab und in dem Augenblick fühlt sie sich erleichtert. Später aber, zu Hause, fühlt sie sich unzufrieden, deprimiert und kann es sich nicht erklären, warum.

Ein anderes Beispiel.
Eine junge Frau will ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Sie ist angespannt, ihr Magen fühlt sich wie immer komisch an. Sie erklärt es mit Stress, bereitet sich ihren Kräutertee vor, den sie mit ins Auto nehmen will. Der Kindergarten ist nur 10 Minuten entfernt, die Straße führt aber kurz durch den Wald, sie überprüft also, ob ihr Handy aufgeladen ist, sollte auf dem Weg etwas passieren und sie Hilfe rufen müssen. Bevor sie mit den Kindern das Haus verlässt, überprüft sie noch, ob sie ihre Kaugummis in der Jackentasche hat, sie tun ihr auch gut, wenn ihr Magen auf dem Weg wieder spinnen sollte. Als die Kinder im Auto sitzen, holt sie noch das Ladekabel für das Handy aus dem Haus. Man weiß ja nie, ob der Handyakku nicht kaputt geht. Sie bringt ihre Kinder in den Kindergarten, fährt schnell zurück nach Hause, macht sich noch einen Beruhigungstee, setzt sich an ihren Schreibtisch. Jetzt kann sie entspannt arbeiten.

Dies sind nur zwei Beispiele für Ängste, die das Leben  unbewusst bestimmen können. Die Ursache und der Zeitpunkt der Entstehung der Angststörung lassen sich nicht einfach benennen. Oft liegen mehrere schwer belastenden Ereignisse vor, oft Jahre zurück, so dass betroffene Personen nicht genau sagen können, seit wann die Störung vorliegt. Sie berichten von zahlreichen Situationen, die sie meiden, von zahlreichen Strategien und Ritualen, die es ihnen ermöglichen, den Alltag doch noch zu bewältigen. Je länger die Angststörung andauert, umso länger sind die Listen.  Die Betroffenen suchen Hilfe erst, wenn sie merken, dass „es einfach nicht so weiter geht“. Sie seien zu Hause zwar sicher, fühlten sich jedoch zunehmend wie im Dornröschenturm gefangen.

Der Teufelskreis der Angst dreht sich und bleibt von allein nur selten zum Stehen. Das Gehirn hat nämlich gelernt, nicht nur die ursprünglich bedrohlichen Situationen zu erkennen, sondern versucht vorsorglich kontinuierlich auch solche zu identifizieren, die ähnlich sind und sich vielleicht auch als bedrohlich entpuppen könnten.

Hatte man zum Beispiel vor Jahren einen kleinen Unfall auf der Rheinbrücke gehabt und danach ein mulmiges Gefühl wieder ins Auto zu steigen, kann es im Laufe der Zeit Angst vor allen Brücken werden, Angst vor Flüssen und Gewässern, dann Angst vor dem Regen (weil es geregnet hat), später auch Angst vor der Dunkelheit (es war früher Abend), und irgendwann generell Angst das Haus überhaupt zu verlassen. Die Liste der Assoziationen kann sehr lang werden. Das Wichtigste ist, dass jedes Mal, wenn man der „neuen“ Angst nachgibt und eine Situation oder Tätigkeit „lieber sein lässt“ bestätigen wir das Gehirn, dass seine Warnung richtig war. Ein neuer Angstauslöser kommt auf die Liste.

Was tun?
Es gibt unterschiedliche Therapiemethoden, um die Angst in den Griff zu bekommen. Da die Angst im Kopf passiert, setze ich auf die Kopfarbeit. 

In der kognitiven Verhaltenstherapie helfe ich meinen Patient(in)en und Klient(in)en auf Basis ihrer Erlebnisse ihre Gefühle, Körperreaktionen und unbewusste Gedanken in der Angstsituation zu identifizieren und das eigene Verhalten zu analysieren. Dieses Verhalten – die Antwort auf die Warnung des Gehirns - ist es, das verändert werden kann und muss, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

 

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